3. Januar 2008

Was macht eigentlich? ... Wilhelm Brenna


Er war Norwegens letzter Junioren-Weltmeister im Skispringen (bei der Junioren-WM 1997 in Calgary) und galt als eines der größten Talente des Landes. Mittlerweile arbeitet Wilhelm Brenna (28) als Barkeeper im Oslo Plaza Hotel und gab der norwegischen Tageszeitung Aftenposten ein Interview.

“Wir hatten seit fast elf Jahren keinen Junioren-Weltmeister mehr“, sagte Kjetil Strandbråten, der viele Jahre die norwegischen Skisprung-Talente betreut hatte. Jetzt ist er Cheftrainer des Nationalteams der Nordischen Kombination, und kann sich an Brenna gut erinnern, den er bei seiner Tätigkeit am „Norwegischen Spitzensport-Gymnasium“ in Lillehammer jahrelang gecoacht hatte.

Als 17-jähriger gewann Brenna WM-Gold bei der Junioren-WM in Calgary in Kanada. Er schien eine große internationale Karriere im Skispringen vor sich zu haben. Aber nach 14 Weltcupspringen und 2 Teilnahmen an der 4-Schanzen-Tournee war alles schon wieder vorbei.

Im Alter von nur 20 Jahren beendete er seine Karriere als aktiver Skispringer. Das norwegische Skispringen lag zu diesem Zeitpunkt am Boden. Brenna schaffte den Durchbruch im Weltcup nicht und sah keine Perspektive mehr.

“Das war einfach zu frustrierend, mit vielen Wechseln in der Sprungtechnik. Ich hatte das Gefühl, dass die Trainer gar nicht wussten, was sie machten. Wenn ich gewusst hätte, dass Kojonkoski als Cheftrainer kommt, hätte ich vielleicht weitergemacht“, sagte Brenna zu Aftenposten.

Aber er bereut seine Entscheidung auch heute nicht. „Ich habe so viel erlebt, und Ende des letzten Jahres bin ich nach Hause gekommen, von einer achtmonatigen Weltreise. Im August diesen Jahres habe ich als Barkeeper im Oslo Plaza angefangen“, sagte Brenna weiter zu Aftenposten.

Er findet es aber schade, dass eine Skisprungnation wie Norwegen so wenig erfolgreiche Talente hat. „Von außen betrachtet meine ich, dass viel auf das Nationalteam gesetzt wird, aber die Nachwuchsarbeit hinterher hinkt. Wir haben sicher Talente, um die muss man sich nur kümmern“, sagte Brenna zu Aftenposten.

„Es gibt keine Zweifel, dass die großen Skisprungteams in Norwegen, Trønderhopp, Kollenhopp, NTG und das Flying Team Vikersund die Talente viel später als erwünscht entdecken. Am meisten passiert das im Alter von 16. Das bedeutet, dass wir spät dran sind, wenn es darum gilt, zu einem 24-Stunden-Athleten zu werden. Man probiert es, aber der Übergang ist zu groß“, sagte Kjetil Strandbråten weiter zu Aftenposten.

Auch Sportchef Clas Brede Bråthen schloss sich der Meinung der beiden an. „Ich glaube, dass wir die Nation mit den meisten Skispringern der Welt sind, aber wir sind nicht in der Nähe, die Nation zu sein, die den Jungen die besten Entwicklungsmöglichkeiten gibt“, sagte Clas Brede Bråthen zu Aftenposten. Er hat schon viel Arbeit in eine Neuordnung der Nachwuchsarbeit investiert und ist optimistisch, dass bald die ersten Fortschritte zu sehen sind.